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Stress

Die körperliche Stressreaktion wird seit etwa Mitte des vergangenen Jahrhunderts wissenschaftlich erforscht. Einer der ersten und bekanntesten Stressforscher war der österreichisch-kanadische Mediziner und Biochemiker Hans Selye. Er nannte die körperliche Stressreaktion allgemeines Anpassungssyndrom und brachte damit zum Ausdruck, dass es sich um eine lebenserhaltende, vitale Funktion des Körpers handelt, mit der sich der Organismus der Umwelt anpasst. Hans Selye schrieb, Stress ist die Würze des Lebens.

Andere Forscher*innen nennen die Stressreaktion "Kampf-Flucht-Reaktion". Sowohl Tier als auch Mensch werden binnen Sekundenbruchteilen optimal darauf vorbereitet auf eine lebensbedrohende Gefahr zu reagieren: die Herzfrequenz und der Blutdruck steigen; Blut wird verstärkt in die Beine und Arme gepumpt, um zu kämpfen oder zu fliehen; die Bronchien erweitern sich; die Atmung wird beschleunigt; Zuckerreserven werden ausgeschüttet; dem Körper wird Energie zugeführt; und die berühmten Hormone (Adrenalin usw.) tun genau das was das altgriechische Wort Hormon besagt: sie erregen und treiben uns an.

Die körperliche Stressreaktion sicherte in längst vergangenen Zeiten das Überleben des Menschen. Sie war und ist eine adäquate Antwort auf eine lebensbedrohende Situationen. Spannend sind diesbezüglich Berichte über schier unglaubliche Leistungen zu denen Menschen durch die Stressreaktion befähigt werden können. 

Wenig angemessen sind Stressreaktionen im alltäglichen, sozialen Lebenszusammenhang. Stress wirkt gesundheitsschädigend, wenn sich das Nervensystem von seinen Reaktionen nicht mehr erholen kann. Eine permanente Überreizung des Systems ist die Folge. Viele sind nervlich überbelastet, ständig gereizt. Nicht selten entstehen selbstzerstörerische Verhalten wie Arbeitssucht, Hyperaktivität oder Esssucht.

 

Achtsamkeit

Achtsam sein bedeutet im MBSR-Zusammenhang sich freundlich, aufmerksam und nicht-wertend dem zuwenden zu lernen, was im gegenwärtigen Moment geschieht, zunächst im eigenen Körper und im eigenen Geist. Es erfordert Aufrichtigkeit und die Bereitschaft sich einlassen zu lernen auf eine Dimension des Daseins, die auch Dimension des Nicht-Tun genannt wird. Auf dieser Ebene des Bewusstseins geben wir notwendigen Vorgängen in uns den notwendigen Raum und die notwendige Zeit um sich zu entfalten - notwendig bedeutet in diesem Sinn die Not zu wenden.

Wir lernen unsere Gedanken, Gefühle, Körperempfindungen und Verhaltensweisen - unser Leben und die Welt - durch formal praktizierte Achtsamkeit neu kennen. Dabei geschehen Entdeckung und Entwicklung; es geschieht Veränderung. Achtsamkeitsmeditation verändert nachweislich neurologische Muster. Wissenschaftlich wird dieses Phänomen Neuroplastizität genannt. Es bedeutet, daß sich das Gehirn durch neue Erfahrungen umstrukturiert - und dies bis zuletzt, und nicht, wie lange angenommen wurde, nur in den ersten Lebensjahren eines Menschen.

 

Meditation

Meditation fördert Konzentration, Klarheit und Gleichmut. Der Physiker David Bohm führt die Begriffe Medizin und Meditation auf "mederi" zurück, was heilen aber auch messen bedeutet. Indem wir praktizieren Gedanken, Gefühle, Körperempfindungen und Verhaltensweisen unvoreingenommen zu betrachten werden Selbstheilungskräfte aktiviert. Indem wir üben mit Absicht eine Zeit lang nicht-wertend für uns selbst da zu sein kommen mentale und emotionale Bewegungen in Harmonie. Betrachtungen und Bewertungen werden moderater. Ein Verständnis für Zusammenhänge stellt sich ein, das inneres Wachstum und Heilung unterstützt.

 

(c)doris hochgerner

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